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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bildstörungen bei Mpeg2schnitt


ODO55
09.08.2004, 14:56
Hallo,

ich habe eine DVB Aufnahme und möchte diese mit Mpeg2schnitt bearbeiten,. Das Video wurde mit dem DVB Viewer aufgenommen und mit Projectx gemuxt. Der Mpeg2 Player spielt das Video ohne Probleme ab jedoch erzeugt Mpeg2schnitt bei schnellen Bewegungen im Film ein Waschbrettartiges Muster

Kann dies manchmal nur irgendwo eine Einstellung sein???



Gruß Chris

TheHorse
09.08.2004, 15:39
Du wirst doch mpeg2schnitt nicht als Highend-Player für die Heimkinoanlage einsetzen? Für das Schneiden spielt es wirklich keine Rolle, ob der mpeg-Decoder, den mpeg2schnitt verwendet, nun absolut auf Speed, Deinterlacing und Bewegungskompensation hin optimiert ist.
mpeg2schnitt ist für mich ein Bearbeitungswerkzeug, kein Medienplayer.

ODO55
09.08.2004, 17:52
Du wirst doch mpeg2schnitt nicht als Highend-Player für die Heimkinoanlage einsetzen? Für das Schneiden spielt es wirklich keine Rolle, ob der mpeg-Decoder, den mpeg2schnitt verwendet, nun absolut auf Speed, Deinterlacing und Bewegungskompensation hin optimiert ist.
mpeg2schnitt ist für mich ein Bearbeitungswerkzeug, kein Medienplayer.

natürlich nicht. ich meinte mpeg2schnitt erzeugt dieses waschbrettmuster und speichert das bearbeitete video auch so ab.

hagge
09.08.2004, 18:33
Hallo Chris,

das "Waschbrett" sind die Videobilder, die im Interlaced-Verfahren aufgezeichnet sind. D.h. das Bild besteht aus zwei Teilbildern (Halbbildern=Fields), wo jedes Halbbild immer nur jede zweite Zeile belegt. Der Fernseher zeigt die Halbbilder *nacheinander* an, also erst die ungeraden Zeilen (Top-Field), dann die geraden Zeilen (Bottom Field). Dadurch entsteht eine Bildwiederholfrequenz von 50 Hz, obwohl eigentlich nur 25 (Voll-)Bilder beteiligt sind.

Warum aber sind die Halbbilder so unterschiedlich, wenn sie doch zu einem Bild gehören? Nun, eigentlich gibt es zwei verschiedene Verfahren, solche Halbbilder zu erzeugen. Wenn man ein (Kino-)Filmbild auf diese Weise für das Fernsehen abtastet, dann ergeben die beiden Halbbilder zusammen ein einheitliches Bild. Die beiden Halbbilder entstehen also zum gleichen Zeitpunkt. Hier würde so ein "Waschbrett" nicht vorkommen.

Eine (Video-)Kamera macht das aber anders. Die merkt sich ein Bild, liest davon das erste Halbbild aus, merkt sich ein *neues* Bild und liest davon das zweite Halbbild aus, usw. Hier haben wir also eigentlich nicht 25 Vollbilder, die in Halbbilder aufgeteilt sind, sondern 50 Bilder, von denen überhaupt nur ein Halbbild jeweils existiert. Wenn die Sequenz in der richtigen Reihenfolge am Fernseher wiedergegeben wird, dann passt das schon. Da aber die beiden Halbbilder in diesem Fall zu *unterschiedlichen* Zeitpunkten entstanden sind, hat sich ein bewegtes Objekt eben schon ein Stück weiterbewegt. Da der Computermonitor das Bild aber eben nicht in den beiden Halbbildern anzeigt, sondern immer jeweils zwei solcher eigentlich unabhängigen Halbbilder wieder zu einem Vollbild zusammensetzt, sieht man dieses "Waschbrett".

Um diese sogenannten Kammeffekte zu entfernen, gibt es De-Interlacing-Verfahren. Diese sind aber nur notwendig, wenn Das Ergebnis später auf einem PC angeschaut werden soll. Wenn das Ergebnis später wieder auf dem Fernseher gezeigt wird (z.B. über eine selbst gebrannte DVD), dann muss die Reihenfolge der Halbbilder so bleiben, wie sie ist. Dass man dann in den Zwischenbearbeitungssschritten auf dem PC diese Kämme sieht, ist egal! Am Ende auf dem Fernseher sieht es wieder richtig aus.

Ich habe in einem anderen Forum mal einen längeren Text zu diesem Thema geschrieben, den kannst Du Dir mal durchlesen, falls es Dich interessiert.

http://support.magix.net/boards/magix/index.php?showtopic=13866

Gruß,

Hagge

OrGi-EuLe
06.09.2004, 16:21
hoi hagge,
muss mich auch diesem problem anschließen, hmmmm bin aber net ganz schlau geworden, wie du das mit dem .... ähm neu codieren, oder was das war meinst, kannste mr wohl sagen, so halt in ein paar schritten, wie man das macht und mit welchem programm ?! weil ich habe echt null ahnung !!
musste mir sogar erklären lassen wie man mit mpeg2schnitt schneidet ^^ LooooooL

Grretz by

Mein Name

hagge
13.09.2004, 16:05
Hallo OrGi-EuLe,

sorry für die verspätete Antwort, aber ich war im Urlaub und bin erst jetzt wieder zurück.

Wenn Du mit Mpeg2Schnitt arbeitest, dann hast Du ja vermutlich eine Videodatei und eine oder mehrere Audiodateien vorliegen. Aber obwohl hier also Video und Audio getrennt voneinander sind, sind diese jeweils immer noch codiert, genauer gesagt gepackt. Beim Video ist dies MPEG, beim Ton kann es MPEG oder AC3 (Dolby Digital) sein. Ungepackt wäre so eine Videodatei viele viele Gigabytes groß. Mal kurz überschlagen: ein Video mit 720x576 Auflösung und 24 Bit Farbtiefe braucht pro Bild 1.2 MB. Bei 25 Bildern/Sekunde würde das ein Gigabyte etwa alle 30 Sekunden ergeben!!!

Das MPEG-Format muss hier also kräftig packen, um auf die gängigen Datenmengen zu kommen, die zwar immer noch beeindruckend sind, aber dennoch deutlich weniger als ungepackt. Dazu werden zwei Verfahren eingesetzt: Datenreduktion innerhalb jedes Bildes und Datenreduktion zwischen verschiedenen Bildern.

Das erste Verfahren, also die Datenreduktion innerhalb eines Bildes, funktioniert so ähnlich wie bei JPEG-Bildern. D.h. hier wird Information weggelassen, die wenig Einfluss auf das Gesamtbild hat, so dass trotz fehlender Information das Bild immer noch so originalgetreu wie möglich aussieht. Nichtsdestotrotz ist es etwas schlechter, meist unschärfer, als das Original. Aber klar, irgendwo muss man ja Information einsparen.

Das zweite Verfahren leuchtet auch ein: wenn man z.B. einen Nachrichtensprecher vor einem stillen Hintergrund sitzen hat, dann bewegt sich der Sprecher zwar ein wenig, aber der Hintergrund selbst bleibt über lange Strecken komplett identisch. Also ist es doch unnötig, den immer wieder gleichen Hintergrund immer wieder neu zu codieren und zu übertragen. Es reicht, nur das zu übertragen, was sich wirklich geändert hat, also die Pixel des Nachrichtensprechers. Nun ist in der Praxis zwar immer etwas mehr los als beim Nachrichtensprecher, aber solche Teilbereiche im Bild, die identisch bleiben, gibt es doch recht häufig.

Dieses Verfahren bringt aber schon wieder nichts, wenn die Kamera einen Schwenk macht. Dann bleibt zwar vielleicht der Bildinhalt grundsätzlich identisch, aber es ist alles etwas weiter rechts oder links zu sehen, je nach Schwenkrichtung. Um auch diesen Fall zu erkennen, sucht der MPEG-Encoder auch das Umfeld ab, ob da ähnliche Passagen auftauchen. In diesem Fall wird auch nicht der Bildinhalt neu übertragen, sondern nur eine Angabe, wohin sich der in sich unveränderte Bildanteil verschoben hat.

Um all diese Verfahren zu realisieren, gruppiert man bei MPEG immer eine Reihe von Bildern in eine "Group of Pictures" (GOP). Am Anfang kommt ein komplettes Bild (ein I-Frame), der zwar auch wie ein JPEG-Bild komprimiert ist, in sich aber vollständig ist, also alle Informationen enthält, um das komplette Bild darstellen zu können. Dann kommen einige Bilder, die nicht mehr komplett sind, sondern nur noch Änderungen relativ zu diesem Bild angeben (P-Frames). Dazu können sogar noch Bilder kommen, die relativ zu zwei Bildern sind (B-Frames). Außer dem ersten Bild sind diese Bilder also für sich nicht komplett, sondern nur in Verbindung mit den anderen Bildern. Wenn man also irgendwo in den Film einsteigen will, dann kann man dies eigentlich nur an den Komplettbildern, den I-Frames, machen. Dies ist der Grund, warum Schnittprogramme wie Mpeg2Schnitt auch nur bei den I-Frames einen IN-Schnitt erlauben.

Wenn man nun Änderungen am Bildmaterial vornehmen will, also z.B. das Interlaced-Bild von seinen Kammstrukturen befreien will, oder den Film um ein Halbbild vor oder zurückrutschen will, dann ist die ganze GOP-Sequenz nicht mehr nützlich, da sich alles komplett ändert. Auch genügt es nicht, nur eine einzige GOP neu zu berechnen, meist muss man komplett den ganzen Film neu encodieren. Dazu gibt es zwar jede Menge Programme, die das können, jedoch kann man das mehr oder weniger gut machen, und darum kosten viele gute MPEG-Encoder Geld. Es gibt aber auch Programme im kostenlosen Bereich, wie z.B. TMpgEnc.

Da aber ja bei der MPEG-Codierung wie bei JPEG auch Verlust auftritt, bedeutet jede Neucodierung, dass weiter Information und damit Bildqualität verloren geht. Darum sollte man so eine Neucodierung wann immer möglich vermeiden. Und nicht zuletzt kostet es ziemlich Rechenzeit, diese ganzen Verschiebungen im Bild zu finden, so dass eine Neuencodierung sehr lange dauert, meist länger als der Film in Originalabspielzeit brauchen würde, also z.B. 3 Stunden für einen 1 1/2 Stunden langen Film. Das hängt natürlich von der Hardware des verwendeten Rechners ab.

Wie diese Encodierprogramme zu bedienen gehen, geht über dieses Forum hier hinaus. Dazu muss man dann die Hilfen zu den entsprechenden Programmen bemühen.

Viele Grüße,

Hagge